Diskussion um Ethik-Kodex der DGPuK

Seit Mai 2014 bin ich – neben Alexander Filipović und Elisabeth Klaus – Mitglied des Ethik-Ausschusses der DGPuK. Eine unserer wichtigsten Aufgaben seither war die Erarbeitung eines (neuen) Ethik-Kodexes für die Fachgesellschaft. Nach langer und intensiver Arbeit wurde dieser Ethik-Kodex im Mai 2015 schließlich von der DGPuK-Mitgliederversammlung in Darmstadt mit großer Mehrheit verabschiedet. Seit Ende des vergangenen Jahres wird nun über eben dieses Dokument diskutiert.

Nachdem bereits im Vorfeld der Verabschiedung einige Kritik am Umfang und einzelnen Formulierungen des Kodexes geäußert wurde (siehe Protokoll), veröffentlichte Rudolf Stöber im Dezember-Heft der Fachzeitschrift Medien & Kommunikationswissenschaft unter der Überschrift „Kritik der Ethik – Ethik der Kritik“ seine kritische Position zum Kodex. Unter anderem plädiert er dort dafür, den Kodex zu revidieren (S. 576). Auch wenn der Ethik-Ausschuss einer Diskussion des Kodexes offen gegenübersteht, ist eine solche grundlegende Revision aus unserer Sicht zur Zeit weder notwendig, noch angebracht. Dies haben wir in einer Replik auf seinen Beitrag auch deutlich gemacht, indem wir dort auf jeden seiner Kritikpunkte explizit eingegangen sind. In jeweils eigenen Repliken antworteten außerdem auch Klaus-Dieter Altmeppen („Ethik ist kein Springteufel„) sowie Elke Grittmann und Ricarda Drüeke („Wissenschaft als Gesellschaftskritik – ein Einwurf„) kritisch auf Stöber.

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Workshop: Konvergente Fernsehnutzung

Gemeinsam mit meiner Kollegin Mareike Dötsch veranstalte ich auf der diesjährigen Tagung der DGPuK-Fachgruppe Rezeptions- und Wirkungsforschung in Amsterdam einen Workshop zum Thema „Konvergente Fernsehnutzung als Herausforderung für die Rezeptions- und Wirkungsforschung“ (Fr, 29.01.2016, 11:00-12:30 Uhr). Im Fokus des Workshops steht der fachliche Austausch über die bisherigen Erfahrungen mit der Erforschung der vielfältigen neuen Formen des konvergenten Fernsehens. Auf der Grundlage von uns vorbereiteter Arbeitsblätter gibt es zunächst drei Gruppendiskussionen zu den Themen „Nutzungssituation und -kontext“, „Diversifizierung der Nutzungsformen“ und „Medienrezeption und -wirkung“. Anschließend fassen wir die Diskussionen in den Gruppen zusammen und diskutieren sie gemeinsam im Plenum. Die Ergebnisse des Workshops werden protokolliert, nach der Tagung aufbereitet und später in Form eines Working Papers allen Interessierten zur Verfügung gestellt.

Interview zu Trends im TV-Bereich

Das pressesprecher – Magazin für Kommunikation hat mich zu den aktuellen Trends in der Nutzung von Bewegtbildinhalten interviewt. Unter anderem ging es um unser Forschungsprojekt zur Konvergenz von Fernsehen und Internet, Zuschauereinbindung in öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern, Formen der Second-Screen-Nutzung sowie um Chancen und Herausforderungen für werbetreibende Unternehmen. Das Interview gibt es hier.

Beitrag zur Proxy-Logfile-Analyse

proxy

Seit etwa zwei Jahren beschäftige ich mich – wann immer ich Zeit dazu finde – mit Möglichkeiten der automatisierten Messung von Computer- und Internetnutzung. Im November 2013 hatten Martin Emmer und ich dazu auf einer DGPuK-Fachgruppentagung in Wien einen ersten Vortrag gehalten, der sich mit den Vor- und Nachteilen verschiedener Formen der Logfile-Analyse auseinandersetzte. Im vergangenen Jahr folgte ein zweiter Vortrag zur Proxy-Logfile-Analyse auf der DGPuK-Jahrestagung in Passau im vergangenen Jahr. Der entsprechende Beitrag ist nun im Tagungsband »Digitale Öffentlichkeit(en)« erschienen.

In dem Beitrag stellen wir – so wie bereits im ersten Vortrag in Wien – nochmals die unterschiedlichen Möglichkeiten der Logfile-Analyse samt ihrer Vor- und Nachteile für die sozialwissenschaftliche Nutzungsforschung vor. Dann gehen wir etwas genauer auf die Spezifika der Proxy-Logfile-Analyse ein, bei der die Internetnutzung bekannter Personen zentral und automatisiert erhoben und dann personenbezogen ausgewertet werden kann. Anhand der beispielhaften Erhebung einer kurzen Nutzungssession (und den in diesem Rahmen angefallenen Logdaten) zeigen wir dann Schritt für Schritt die Herausforderungen und Grenzen dieser Methode sowie mögliche Lösungsvorschläge auf. Die größten Herausforderungen sind demnach automatisierte Anfragen (im Hintergrund, vom Nutzer nicht intendiert), große Datenmengen und indirekte Beobachtungsdaten. Leider sind der Tagungsband und damit auch mein Beitrag nicht Open Access erschienen, sonst hätte ich ihn jetzt gerne verlinkt.

Open-Access-Tagungsband erschienen

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Im Februar 2014 veranstalteten Martin Emmer und ich in Berlin eine Fachtagung mit dem Titel »Kommunikationspolitik und Medienregulierung in der digitalen Gesellschaft«. An anderer Stelle hatte ich dazu bereits einen kurzen Beitrag geschrieben. Diese Woche ist nun endlich der entsprechende Band zur Tagung erschienen. Und ich freue mich sehr, dass er die neue Open-Access-Reihe der Fachgruppe ›Computervermittelte Kommunikation‹ mit dem Namen »Digital Communication Research« eröffnet, an der die fünf Herausgeber/innen Martin Emmer, Christina Schumann, Monika Taddicken, Martin Welker und ich so lange gearbeitet haben.

Der Band trägt in Anlehnung an die Tagung den Titel »Kommunikationspolitik für die digitale Gesellschaft« und vereint insgesamt elf Beiträge plus Vorwort und Einleitung. Enthalten sind ein programmatisches Essay zum Verhältnis von Wissenschaft und Politik (Brosda), eine Begriffsanalyse zum Konvergenzbegriff (Vowe & Henn), eine Typologie von Medienregulierungsstilen in Europa (Arnold), ein Ansatz zur Neuregulierung des Suchmaschinenmarktes (Schuster et al.), Studien zur Rolle von Sina Wabo in China (Rauchfleisch & Mayoraz), der Kommentarkultur in Schweizer Online-Zeitungen (Friemel & Dötsch), dem Nichtkommerziellen Rundfunk in Österreich (Real & Krone) sowie Untersuchungen zu den Debatten über ACTA (Tonndorf), das Leistungsschutzrecht (Ganter & Maurer), Netzneutralität (Löblich & Musiani), SOPA und das Zugangserschwerungsgesetz (Sell & Berghofer). Nach einem intensiven und aufwändigen Reviewverfahren sind wir nun sehr zufrieden mit dem Band. Denn er bedeutet nicht nur den Abschluss der Tagung, sondern eben auch den Auftakt der ersten offiziellen Open-Access-Reihe der DGPuK.

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Unverdiente Orden

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Ceaușescu mit Kim Il-sung (Standbild aus dem Film ›The Autobiography of Nicolae Ceaușescu‹)

Am Abend des 26. Novembers 2014 zeigte das Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums Berlin den sehr eindrucksvollen Dokumentarfilm The Autobiography of Nicolae Ceaușescu im Rahmen der Filmreihe Rekonstruktion. Filmland Rumänien III. Unter anderem lernte ich von diesem Film, dass der sozialistische Diktator Nicolae Ceaușescu, um dessen politische Karriere es in diesem Film ging, selbst in den Hochzeiten des Kalten Krieges enge diplomatische Kontakte zum Westen – konkret zu Frankreich, England und den USA – pflegte. Nach der Vorstellung wollte ich deshalb wissen, ob es solche Kontakte auch zur Bundesrepublik Deutschland gab – und wurde überrascht.

Denn schon nach kurzer Recherche erfuhr ich von Wikipedia, dass Ceaușescu Westdeutschland in seiner Zeit als rumänisches Staatsoberhaupt nicht nur mehrfach besucht hatte; sondern dass er 1971 sogar mit der Sonderstufe des Großkreuzes, also der höchsten Stufe des Bundesverdienstkreuzes, ausgezeichnet wurde. Es wunderte mich, dass ihm dieser Verdienstorden nach 1989 nicht wieder aberkannt wurde und recherchierte weiter. Dabei erfuhr ich, dass sich Herta Müller bereits vor knapp drei Jahren öffentlich dafür ausgesprochen hat, Ceaușescu diese Auszeichnung wieder zu entziehen – ebenso wie dem jugoslawischen Diktator Josip Broz Tito, der diesen höchsten Verdienstorden 1974 erhielt. Da ich ihre Forderung in beiden Fällen unterstütze, aber leider nicht in Erfahrung bringen konnte, was daraus wurde, fragte ich am nächsten Morgen kurzerhand auf Twitter bei Steffen Seibert nach, der mich prompt ans Bundespräsidialamt verwies. Dort erkundigte ich mich per E-Mail, »mit welcher Begründung der Orden jeweils an diese beiden Politiker verliehen wurde; und welche Möglichkeiten mir nun offen stehen, auf eine Aberkennung dieser Auszeichnungen hinzuwirken«.

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