Tagung: Soziologie als Beruf

sozalsberuf

Vergangene Woche habe ich die Tagung „Soziologie als Beruf“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) besucht. Organisiert wurde sie von dem Ausschuss „Mittelbau in der DGS / Beschäftigungsbedingungen in der Wissenschaft“ der DGS, der nach einem offenen Brief des soziologischen Nachwuchses an die Fachgesellschaft 2014 ins Leben gerufen wurde. Zur Zeit stehen Annekatrin Bock und ich als Nachwuchssprecher/in im intensiveren Austausch mit dieser Initiative, die Tagung war also eine gute Gelegenheit, mal zu sehen, wie die Nachwuchsarbeit in den anderen Fachgesellschaften so abläuft.

Die Tagung fand im Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) statt und war sowohl professionell organisiert als auch sehr gut besucht. Eröffnet wurde sie mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wissenschaft als prekärer Beruf?“, die mitunter prominent besetzt war (siehe Bild oben). Mitgenommen habe ich aus der Diskussion vor allem zwei Punkte: Zum einen plädierte Otto Hüter (Uni Kassel) für eine Umstellung des deutschen Wissenschaftssystems von der Habilitation/Lehrstuhl- zur Tenure/Department-Struktur. Zum anderen schlug Andreas Keller (GEW) vor, den Zugang zur Promotion stärker zu beschränken und insbesondere Postdocs nur dann weiter zu beschäftigen, wenn sie auch eine reelle Aussicht auf eine unbefristete Anstellung haben. Beide Punkte stießen bei dem durchaus heterogen besetzten Podium durchweg auf Zustimmung.

Am darauffolgenden Tag wurde dann aktuelle Forschung zum Berufsfeld Wissenschaft mit einem Fokus auf die besonderen Beschäftigungsbedingungen des Mittelbaus vorgestellt. Hier war vor allem der Vortrag „Projektförmige Polis und akademische Prekarität“ von Silke van Dyk (Uni Kassel) und Tilman Reiz (Uni Jena) interessant. Ausgehend von einer Erhebung des Wissenschaftsrats zur Stellenentwicklung 2000 bis 2012, der zufolge sich die Zahl befristeter Stellen in diesem Zeitraum von 30.000 auf 60.000 verdoppelte, während die Zahl der Professuren bei etwa 25.000 konstant blieb, gaben sie Handlungsempfehlungen für die nächsten 5 bis 15 Jahre: Neben der bereits erwähnten Umstrukturierung der Institute hin zum Departmentsystem forderten sie unter anderem einen Ausbau der Grundfinanzierung der Hochschulen, die Abschaffung befristeter Hochdeputatsstellen in der Lehre, die Einrichtung von Dauerstellen für Daueraufgaben auf allen Ebenen, den systematischen Ausbau von Dauerstellen im Postdoc-Bereich sowie ein konsequentes Tenure- und Entfristungssystems. Für die Nachwuchsarbeit in unserem Fach sind das aus meiner Sicht interessante Forderungen, die wir in den kommenden Monaten mal aufgreifen und weiterdenken könnten.

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