Demokratisierung und sonstige Selbstverständnisse

Foto: Dominique Facciorusso | IfP Mainz

Der kommunikationswissenschaftliche Nachwuchs organisiert sich. Bevor er allerdings wirklich aktiv werden, Ansprüche stellen und Vorschläge machen kann, muss er erst einmal wissen, wer er eigentlich ist und was er konkret will. Dies soll nun in einer Selbstverständnis-Kommission erarbeitet werden. Erste Ergebnisse gibt es voraussichtlich im Februar 2013.

Als die beiden designierten Nachwuchssprecher der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), Melanie Magin und Sven Engesser, kürzlich zur ersten Vollversammlung des kommunikationswissenschaftlichen Nachwuchses einluden, stand nicht gerade viel auf dem Programm. In ihrer Einladung zum 1. DGPuK-Nachwuchstag in Mainz, in dessen Rahmen diese Versammlung stattfinden sollte, schrieben sie:

„Die Nachwuchssprecher werden über ihre bisherige Arbeit berichten und gemeinsam mit den Anwesenden über deren Probleme, Wünsche und Anregungen sprechen. Themenvorschläge […] können im Vorfeld an die Nachwuchssprecher geschickt oder direkt vor Ort eingebracht werden.“

Offenbar gingen – mit einer Ausnahme, auf die ich in einem späteren Beitrag eingehen möchte – im Vorfeld keine Themenvorschläge ein, sodass die Tagesordnung auch recht überschaubar blieb. Wie angekündigt gab es einen „Tätigkeitsbericht der Nachwuchssprecher“, danach sollte über das „Verfahren für künftige Nachwuchssprecher-Wahlen“, die „Verankerung des Nachwuchssprecheramtes in der Satzung der DGPuK“ und das „politische Engagement der Nachwuchssprecher“ gesprochen werden.

Dieser Plan ging jedoch nicht auf.

Anstatt über die Wahl, die Institutionalisierung und die Aufgaben der Nachwuchssprecher zu diskutieren, wollten die versammelten Nachwuchswissenschaftler/innen lieber mehr über sich selbst erfahren: Wer zählt eigentlich zum Nachwuchs? Wen vertreten die Nachwuchssprecher also überhaupt? Nur die DGPuK-Mitglieder oder auch alle anderen? Was genau wünscht sich der Nachwuchs von seinen Sprechern? Und wann wird das von wem entschieden?

Diese Abkehr von der geplanten Tagesordnung war deshalb so interessant, weil die kollektive Priorisierung solch grundsätzlicher Fragen einer Demokratisierung des Nachwuchssprecheramtes gleich kam. Viele der Vollversammelten waren bis dato weder an der Wahl der Nachwuchssprecher noch an der Definition ihrer Aufgaben, Positionen oder Strategien beteiligt. Nun zeigte der Nachwuchs, dass er dies für die Zukunft ändern möchte.

Lobenswerterweise haben Melanie und Sven diese Demokratisierung ebenso wie den damit verbundenen Selbstfindungsprozess sofort unterstützt und moderiert. Da die für die Vollversammlung eingeplanten 90 Minuten nicht ausreichten, die Anwesenden aber eine Entscheidung über das weitere Vorgehen einforderten, wurde kurzerhand der Einsatz einer Selbstverständnis-Kommission beschlossen. Sie soll die offenen Fragen in kleinerer Runde klären und bis Februar 2013 einen ersten Entwurf für ein Selbstverständnispapier ausarbeiten.

Diese Kommission hat sich vor kurzem gefunden.

Teilnehmen werden Cornelia MothesAda FehrLutz Hofer, Jan Menzer, Veronika KarnowskiSabine ReichThorsten NaabChristian SchäferIlka JakobsChristian StrippelMathis DanelzikSarah KohlerIsabelle BoruckiAndré HallerStefan Geiß und Florian Mayer. Ihre Aufgabe wird es nun sein, sich in Arbeitsgruppen zu organisieren und die nachstehenden Punkte zu diskutieren:

  1. Definition und Selbstverständnis des kommunikationswissenschaftlichen Nachwuchses
  2. Ziele des Nachwuchses/der Nachwuchsarbeit
  3. Aufgaben, Rechte und Pflichten der Nachwuchssprecher
  4. Antrag auf Aufnahme des Nachwuchssprecheramtes in die Satzung der DGPuK
  5. Wahl der Nachwuchssprecher
  6. Logo für die DGPuK-Nachwuchsarbeit/Nachwuchssprecher
  7. Ausarbeitung von Prozessstatuten

Erarbeitet werden diese Themen vorerst in einem gesonderten Wiki. Im Februar wird es schließlich ein Arbeitstreffen der Kommission geben, auf dem die von den Arbeitsgruppen vorgestellten Ergebnisse dann noch einmal gemeinsam diskutiert werden. Es bleibt abzuwarten, was daraus wird. Sobald es hier zu konkreten Ergebnissen kommt, melde ich mich.

PS: Dieser Text dient in erster Linie der Dokumentation der aktuellen Entwicklungen in der DGPuK-Nachwuchsarbeit. Meines Wissens gab es leider kein Protokoll der Vollversammlung. Mein Storify zum Nachwuchstag gibt es aber hier.

PPS: Wie ich erfahren habe, gibt es sehr wohl ein Protokoll. Ich werde an dieser Stelle drauf hinweisen, sobald es öffentlich zugänglich ist. 

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